Hallo, liebe Designer-Babys

„Machen wir die Augen blau oder braun?“

„Blau passt besser zu den blonden Haaren, die wir ausgesucht haben.“

„Okay, aber dann machen wir die Nase etwas kleiner.“

„Hmm. Mehr als fünf Prozent höhere Intelligenz kostet extra.“

„Willst du etwa an unserem Kind sparen?“

So oder so ähnlich könnte eine Diskussion verlaufen, die zukünftige Eltern vor der Zeugung eines Babys führen werden. Nein, nicht in einem Science Fiction Roman und auch nicht im nächsten Jahrhundert. Früher. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie, lieber Leser, das noch erleben, ist ziemlich hoch. Sie sind skeptisch oder halten das für übertrieben? Mal sehen, ob Sie am Ende dieses Eintrags noch genauso denken 🙂 „Hallo, liebe Designer-Babys“ weiterlesen

Das Gotteswerkzeug heißt CRISPR/Cas9

Zugegeben, CRISPR/Cas9 ist kein Traumname, aber er lässt viele Wissenschaftler träumen und die dazugehörige Technologie wird unsere Welt ebenso verändern wie die Künstliche Intelligenz.

Was ist CRISPR/Cas9?
Es ist ein System, mit dem man gezielt, einfach und schnell DNA manipulieren kann. Bisher waren Genmanipulationen äußerst zeitaufwendig und zu einem großen Teil auch Glücksache, denn man konnte nicht wirklich steuern, wo der manipulierte Gen-Teil im Genom andockt. Deshalb musste man viele Manipulationen starten und dann herausfinden, welche den gewünschten Effekt hatte. Manchmal hat man einfach manipulierte Teile ins Genom geschossen und dann nachgesehen, wer ungefähr getroffen hat. Jetzt ist alles anders: Der CRISPR-Teil findet den zu manipulierenden Abschnitt im Gen, und dann schneidet der Cas9-Teil das Gen an dieser Stelle durch. So kann man gezielt Gensequenzen ausschalten, ganz herausschneiden und bei Bedarf auch durch andere ersetzen.

Schon bei der alten, umständlichen Methode wurden Milliarden in Genmanipulationen investiert, was wird jetzt passieren, wenn man tatsächlich effektiv manipulieren kann? Die Entdeckerinnen Emmanuelle Charpentier und Jennifer A. Doudna sind erst vergangenen März mit einem Wissenschaftspreis bedacht worden, aber weltweit stürzen sich tausende Wissenschaftler auf diese Technologie – denn sie gibt uns Menschen das Werkzeug in die Hand, das Leben auf unserem Planeten drastisch zu verändern.

Was könnte man mit CRISPR/Cas9 anstellen?

Es gibt Millionen Menschen, denen man heute nur beim Sterben zusehen kann, weil sie unter genetisch bedingten Krankheiten leiden. Denen könnte man helfen. Man schneidet die defekten Gensequenzen heraus oder schaltet sie ab. Aber auch andere Krankheiten kann man jetzt angehen: Eine einzige Injektion des CRISPR/Cas9-Systems könnte ausreichen, um jemanden lebenslang vor einer Herzattacke zu schützen (sagt ein Herzspezialist am Harvard Institut in Cambridge). Bei Versuchen mit Mäusen sank deren Cholesterinspiegel innerhalb weniger Tage um 35 bis 40 Prozent. (Gestatten Sie eine ketzerische Frage: Finden Sie Genmanipulationen immer noch schlecht? Oder spüren Sie den Sog der Versuchung?)

Mit Versuchen an Menschen muss man wegen der aufwendigen Zulassungsverfahren noch warten, aber wenn demnächst die Entscheidung ansteht „Mit hundertprozentiger Sicherheit sterben oder mit CRISPR/Cas9 eine Chance haben“, könnte alles schnell gehen.

Bei Tieren ist man schon weiter: Man arbeitet bereits an Moskitos, die gegen Malariaerreger immun sind und sie deshalb nicht übertragen können. Auch die Agrarkonzerne basteln fleißig an Lösungen, z. B. um einen Pilz zu besiegen, der weltweit Bananenstauden dahinrafft.

Also eine Supersache, die bei so vielen positiven Effekten garantiert eingesetzt werden wird. Womit man sich gleichzeitig die Werkzeuge schafft, um die wirklich schwerwiegenden Veränderungen vornehmen zu können. Machen Sie sich darauf gefasst, dass Ihre Kinder oder Enkel in Zukunft vor dem PC sitzen werden und ihre Kinder entwerfen. Utopie? Ferne Science Fiction? Wird niemals erlaubt werden? Es wird mit der gleichen Sicherheit kommen, wie man diese Technologie zur Heilung von Krankheiten einsetzen wird, und die jüngeren Leser dieses Blogs werden es noch erleben. (Weil das so wichtig ist, gibt es dazu einen eigenen Beitrag.)

 

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